Empörender Affront gegen den Bundestag
Bundesregierung votierte gegen Parlamentsbeschluss zum weltweiten Klonverbot
Auf heftige Kritik der Politik, der Kirchen und der Lebensschützer stieß das
Abstimmungsverhalten der Bundesregierung im Rechtsausschuss der Vereinten
Nationen am 6. November 2003. Mit 80 zu 79 Stimmen wurde die Entscheidung
über ein weltweites Klonverbot erneut um 2 Jahre auf 2005 vertagt. Dieser
Verschiebung hatte auch die Bundesregierung zugestimmt, entgegen der
Forderung des Deutschen Bundestages nach einem uneingeschränkten weltweiten
Klonverbot. Am 20. Februar hatte das Parlament festgestellt, dass jedes
Klonen - unabhängig von dem damit verfolgten Zweck - unvereinbar ist mit der
"universell gültigen Menschenwürde, deren Schutz Artikel 1 der Erklärung der
Menschenrechte der Vereinten Nationen und Artikel 1 des Grundgesetzes
gebieten". "Das Verhalten der deutschen Vertreter steht im krassen Gegensatz
zum eindeutig formulierten Willen des Parlaments" unterstrich die
Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL) Mechthild Löhr
und bemerkte weiter: "Offensichtlich setzt die Bundesregierung mit anderen
forschungseuphorischen Staaten wie Belgien oder Großbritannien darauf, dass
sich der Widerstand gegen das Klonen international weiter verringert und
sich mit zunehmender Gewöhnung auch weltweit breitere Akzeptanz einstellt.
Ein klares "Ja" zum weltweiten Klonverbot wäre die einzig richtige und
legitimierte Haltung gewesen".
In diesem Zusammenhang war es auch kein Zufall, dass wenige Tage vor der
entscheidenden UN-Abstimmung Bundesjustizministerin Zypries - wohl mit
Rückendeckung des Kanzlers - Embryonen den Schutz der Menschenwürde
abgesprochen hat.
Nach Auffassung des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Bioethik der EVP/Ed
(größte Fraktion im europäischen Parlament) Dr. Peter Liese, trägt die
Bundesregierung die Hauptverantwortung für das Scheitern des Klonverbotes.
Er bemerkte dazu: "Schon die Stimme Deutschlands hätte ausgereicht um eine
Vertagung zu verhindern und dafür zu sorgen, dass dieses dringliche Thema
schnellstmöglich behandelt wird. Wenn man sich darüber hinaus noch klar
macht, dass sich sehr viele andere Staaten bei diesem Thema an Deutschland
orientieren, wird klar, dass ein anderes Verhalten Deutschlands eine
schnellere Beschlussfassung bewirkt hätte. Ich bin entsetzt über das
Verhalten der Bundesregierung und hoffe, dass der Deutsche Bundestag
Konsequenzen ziehen wird", so der CDU-Politiker und Mediziner.
Es stelle sich die Frage, aus welchen Gründen die Regierung Schröder eine
eindeutige Willensbekundung des Bundestages missachtet und für die
Aufschiebung votiert habe, so der Bischof von Rottenburg/Stuttgart Dr.
Gebhard Fürst, Mitglied des Nationalen Ethikrates des Bundeskanzlers. Er
nannte es mehr als bedauerlich, dass Berlin während der Verhandlungen nicht
deutlicher auf ein uneingeschränktes Klonverbot zum jetzigen Zeitpunkt
hingewirkt habe. Allein ein weltweites und umfassendes Klonverbot sei mit
der Menschenwürde des Embryos von Anfang an vereinbar.
"Auch im letzten Akt des Trauerspiels blieb die Bundesregierung ihrer Linie
treu", schreibt Alexander Kissler von der Süddeutschen Zeitung am 8.
November und fährt fort: "Da mag der Bundestag noch so oft gegen
therapeutisches Klonen und verbrauchende Embryonenforschung votieren, da
mögen Gesetzeslage und Bundesverfassungsgericht noch so unmissverständlich
die Menschenwürde mit dem Beginn des menschlichen Lebens gegeben sehen -
Bundeskanzler Schröder zollt den Parlamentsbeschlüssen Respekt und ignoriert
sie. Der scheuklappenfreie Forschungsliberalismus des Kanzlers ist in der
Realpolitik angekommen. Wie die nächsten Schritte der Bundesregierung
aussehen könnten, lässt sich an den Grundsatzreden Schröders, Fischers und
Zypries' ablesen."
Die Christdemokraten für das Leben (CDL) unterstützen die Auffassung, dass
der Deutsche Bundestag den eklatanten Affront vom 6. November nicht
hinnehmen kann. Die Bundestagsabgeordneten sind zum Handeln aufgefordert,
das Parlament muss sich mit diesem ungeheuerlichen Vorgang in Bälde
befassen.
(M. Jauch, Landespressereferentin der CDL)