Quelle: bild der wissenschaft Forschungspolitik
22.05.2001
Ärztepräsident: Gentests an Embryonen vorerst zurückstellen
Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, hat sich gegen
den Import von embryonalen Stammzellen ausgesprochen. "Der Import ist
ethisch mindestens ebenso bedenklich wie die Gewinnung solcher Zellen im
eigenen Land", sagte Hoppe in einem Interview mit dem "Mannheimer
Morgen" anlässlich des an diesem Dienstag in Ludwigshafen beginnenden
104. Deutschen Ärztetages.
Auf die Forschung mit embryonalen Stammzellen sollte nach Auffassung
Hoppes aus moralischen Gründen solange verzichtet werden, bis eindeutig
geklärt sei, ob sich nicht mit Stammzellen von Erwachsenen die gleichen
Ergebnisse erzielen ließen. Der Ärztechef betonte jedoch, dass der
Import nicht verboten werde könne, da Stammzellen nicht unter das
Embryonenschutzgesetz fielen.
Gentests an im Reagenzglas gezeugten Embryonen im Rahmen der
Präimplantationsdiagnostik (PID) sollten nach Ansicht von Hoppe dagegen
auch in Deutschland zugelassen werden. Eine Diskussion über PID könne
nicht geführt werden, ohne die bisher schon üblichen und nicht
strafbaren Gentest im Mutterleib ebenfalls zur Disposition zu stellen.
"Wenn wir sagen, Präimplantationsdiagnostik lehnen wir ab, zwingen wir
Paare, die die Methode in Anspruch nehmen wollen, weil sie erbkranken
Nachwuchs ablehnen, zur pränatalen Diagnostik und damit zur
Schwangerschaft auf Probe", sagte Hoppe. Das aber könne keine
Alternative sein. "Mir wäre es am liebsten, man würde nicht nur sagen,
die Präimplantationsdiagnostik passt nicht in unsere Gesellschaft,
sondern auch die pränatale Diagnostik." Beide Methoden seien "mit
unserem Menschenbild nicht vereinbar".
dpa